Besuch der AWO Residenz Sehnde:

vom 23.08.2017

Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt und SPD-Politiker sprechen sich für eine Aufwertung des Pflegeberufs aus - mehr Personal und ein allgemeinverbindlicher Tarifvertrag

AWO Residenz Sehnde 22 08 2017.jpg Einrichtungsleiterin Maren Reisener (5.von rechts) und ihre Mitarbeitenden empfing die SPD-PolitikerInnen. Die Sehnder SPD-Landtagsabgeordnete und Vorsitzende der AWO Region Hannover, Dr. Silke Lesemann (3.v.l.), hatte den Besuch organisiert, begleitet wurde sie unter anderem vom SPD-Bundestagsabgeordneten Dr. Matthias Miersch (links).
Um den Fachkräftemangel in der Pflege und wie man ihm entgegen wirken kann, ging es am 22. August 2017 bei einem Besuch der niedersächsischen Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) in der AWO Residenz in Sehnde. Die örtliche SPD-Landtagsabgeordnete und AWO Vorsitzende Dr. Lesemann hatte den Besuch organisiert, begleitet wurde sie vom SPD-Bundestagsabgeordneten Dr. Matthias Miersch und Olaf Kruse, dem Vorsitzenden der SPD Ratsfraktion Sehnde und Ortsbürgermeister von Wehmingen.

"Der Fachkräftemangel in der Pflege ist enorm und macht Trägern wie der AWO zu schaffen", berichtete Dirk von der Osten, Geschäftsführer der AWO Jugend- und Sozialdienste gGmbH den Politikern. Man müsse sich derzeit sehr oft mit Zeitarbeitskräften aushelfen, die der AWO als Trägerin sehr viel Geld kosteten. „Wir sprechen hier von einem Aufschlag zwischen 90 und 100 Prozent“, so von der Osten. Während in anderen Branchen Zeit- und Leiharbeit eher verpönt und wenig attraktiv sei, stelle sich das in der Pflege anders dar. Der Grund sei einfach: Wer bei einer Zeitarbeitsfirma arbeite, könne sich die Arbeitszeit meist aussuchen, Stichwort „8 to 5-Job“, und wer für eine Einrichtung arbeite, müsse auch andere Schichten in Kauf nehmen. „Dabei ist die AWO ein attraktiver Arbeitgeber – so erhalten unsere Mitarbeitenden eine Jahressonderzahlung“, betonte von der Osten. Und bereits die Ausbildung biete eine attraktive Bezahlung nach Tarif, im ersten Lehrjahr  betrage die Vergütung rund 1100 Euro. „Im Vergleich mit anderen Ausbildungsberufen ist das die zweithöchste Vergütung. Nur Mechatroniker bekommen mehr“. so von der Osten.
 
Einrichtungsleiterin Maren Reisener sprach sich für eine Aufwertung der Pflegeberufe aus. „Die Wertschätzung in der Gesellschaft ist ja bereits vorhanden und viele sagen, dass sie diesen Job nicht machen könnten - jetzt muss nur eine weitere Aufwertung folgen“, so Reisener. Die Wertschätzung und Aufwertung des Pflegeberufs sei eine gesellschaftspolitische Grundsatzfrage, sagte Miersch. Sozialministerin Cornelia Rundt betonte, der Landesregierung liege die Aufwertung des Berufs sehr am Herzen. Man habe bereits das Schulgeld für die Auszubildenden abgeschafft und verhandele derzeit über einen Rahmenvertrag für den Pflegeberuf. „Wir wollen den Personalschlüssel erhöhen, um die Beschäftigten durch mehr Personal in den Einrichtungen zu entlasten“, sagte Rundt.
Doch so sei beispielsweise ein allgemeingültiger Ausbildungstarifvertrag bisher an der Arbeitgeberseite gescheitert. „Wenn bei uns etwas übrig bleibt, investieren wir das Geld beispielsweise in kleinere, innovative Einrichtungen auf dem Land. Die Privaten ziehen ihre Gewinne für die Anteilseigner raus“, betonte von der Osten. „Die AWO ist ein wertegebundener Verband - das macht einen großen Unterschied“, ergänzte Lesemann. Von der Osten plädierte außerdem dafür, den Fachkräftebegriff breiter zu fassen. Wünschenswert sei beispielsweise, auch ehemalige RettungsassistentInnen oder medizinische Fachangestellte als Fachkräfte in der Pflege arbeiten zu lassen. Auch Rundt zeigte sich dafür offen. „Wichtig ist, die Fachkräftequote in Höhe von mindestens 50 Prozent beizubehalten. Das ist wichtig für die Arbeitsbedingungen und eine gute Bezahlung“, so Rundt.

Anna-Lena Behre, Auszubildende der Pflege in der AWO Residenz, erklärte den Politikern, dass sie erst über Umwege zu diesem Beruf gekommen sei. „Viele haben eine falsche Vorstellung von dem Job, weshalb er noch für viele als unattraktiv gilt, dabei ist es ein toller Beruf, der mir sehr viel Spaß macht“, berichtete Behre. Sie plädierte dafür, Pflege-Auszubildende in die Schulen zu entsenden, die von ihren Erfahrungen berichten und so für den Berufszweig werben. Nach diesem inhaltlichen Austausch wurden die Politiker durch die Einrichtung geführt. „Die Einrichtung ist sehr familiär, und die Angehörigen sind Teil des Ganzen und werden toll einbezogen“, lobte Lesemann.