Ehrenamtliche bei der AWO: Johanna Wertensohn begleitet als Sprachpatin die Kleinsten

vom 08.12.2017

Kinder zum Sprechen ermuntern

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Johanna Wertensohn war es als gelernte Krankenschwester und Heilpraktikerin schon immer ein Anliegen, andere Menschen zu unterstützen. Seit mehr als 20 Jahren begleitet sie Patienten in ihrem Alltag und hilft ihnen bei allem, zu dem sie nicht mehr in der Lage sind. Vor drei Jahren kam der gebürtigen Brandenburgerin dann die Idee, offiziell ehrenamtlich tätig zu werden. „Ich wollte einfach wissen, was für Möglichkeiten es gibt, in meiner Umgebung aktiv mitzuwirken“ , so Wertensohn.

Das Freiwilligenzentrum stellte den Kontakt zur Arbeiterwohlfahrt her, die gerade für die Kindertagesstätte in der Edenstraße eine Sprachpatin/einen Sprachpaten suchte. Dort beschäftigt sich Johanna jeden Montag mit Kindern, deren sprachliche Fähigkeiten besonders gefördert werden müssen. „Dieses Sprachprojekt gefiel mir besonders gut, da ich denke, dass Kinder so früh wie möglich an den Umgang mit Sprache herangeführt werden sollten.“ Sie liest ihnen vor, spielt Memory, erklärt und stellt Fragen, die die Kinder animieren sollen. „Es sind vor allem die Kleinigkeiten, die am Ende eine bleibende Wirkung zeigen“. Die Kinder gestalten beispielsweise Korkplatten, auf denen Blüten angebracht sind. Wertensohn stecke lediglich einen Stiel dazu und die Kinder erkennen, welche vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten es gibt und werden kreativ.

Bei ihrer Arbeit ist ihr auch der regelmäßige Austausch mit den Erzieherinnen und Erziehern wichtig.  Dabei stelle sich manchmal heraus, dass einige Kinder überfordert, aber auch „überfördert“ sind. „Gerade für die etwas zurückhaltenden Kinder nehme ich mir besonders viel Zeit.“  Ein Vorteil für sie sei es, so Wertensohn, dass sie eine fundierte Ausbildung genossen hat. Menschen genauer betrachten, mit ihnen umzugehen und sich immer wieder neu auszuprobieren – all das macht sie täglich und mit Freude. Sie schätze außerdem den Kontakt mit Menschen und die kleinen Aufmerksamkeiten im Alltag. In der Edenstraße fühle sie sich sehr wohl und anerkannt.

„Für mich ist das Ehrenamt eine Win-Win-Situation“, sagt Wertensohn. „Die Kinder lernen spielerisch zu sprechen und ich laufe nicht Gefahr, auf meinem Sofa sitzen zu bleiben.“ Zunächst stand sie dem Ehrenamt jedoch skeptisch gegenüber. Man könne dies immerhin nur machen, wenn man zeitlich und finanziell flexibel ist.  Außerdem werde das Ehrenamt als zu selbstverständlich angesehen, sodass die eigentliche Bedeutung in den Hintergrund gerate, denn ohne die ehrenamtliche Tätigkeit sei die soziale Arbeit in Deutschland gar nicht denkbar. „Die Ehrenamtlichen werden von vorherein mit eingeplant, anstatt als Zusatzkräfte zu wirken.“ Wertensohn wünscht sich, dass die Politik in Zukunft Schritte unternehmen wird, um das zu ändern.