Ehrenamtliche bei der AWO: Dr. Sylvia Knapp hilft beim Ausfüllen von Formularen

vom 04.12.2017

Orientierung im „Dschungel“ der Bürokratie

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Für Dr. Sylvia Knapp aus Hannover war früh klar: Anderen Menschen zu helfen ist eine Freude und unabdingbar für das Miteinander in einer Gesellschaft. Deshalb schloss sie sich ehrenamtlich dem Patientenbesuchsdienst im Krankenhaus Siloah an und arbeitet mittlerweile seit fünf Jahren unentgeltlich bei der „Behördenbegleitung – Formularausfüllhilfe“ der AWO Region Hannover. „Ich habe mich bei der AWO sofort wohl und unterstützt gefühlt“, sagt die 69-Jährige. Als Juristin habe sie nach einem Ehrenamt gesucht, dass zu ihr passt. Auf einer Börse für Ehrenamtliche hatte sie dann AWO-Projektkoordinator Ingo Reinhold getroffen, der ihr diese ehrenamtliche Tätigkeit vorschlug. „Das hat einfach zu meinem beruflichen Werdegang gepasst. Als Juristin fällt es mir leicht, auch schwierigere Formulare auszufüllen.“ 

Mit mehreren Kollegen hilft sie mehrmals im Monat beim Ausfüllen von Formularen und begleitet die Ratsuchenden bei Behördengängen. Der Gang zum Amt sei für viele Menschen schwierig, insbesondere Neuzugewanderte benötigten hier Hilfe, da die oft im „Amtsdeutsch“ verfassten Bescheide und Formulare nur schwer verständlich seien. „Rund 90 Prozent der Ratsuchenden haben einen Migrationshintergrund“, berichtet Knapp. Für Menschen mit Sprachbarrieren sei das Verstehen und Ausfüllen vieler Formulare „ein Ding der Unmöglichkeit“. „Auch ich muss noch manches Mal bei den Behörden nachfragen, was mit manchen Fragestellungen gemeint ist“, sagt Knapp.

Ihr erstes Ehrenamt nahm die gebürtige Österreicherin, die seit 40 Jahren in Hannover lebt, im Jahr 1999 an. Das Krankenhaus Siloah suchte damals nach Freiwilligen, die Patientenbesuche übernehmen. „Man nannte uns die grünen Damen, weil die Ehrenamtlichen der MHH grüne Kittel trugen“, berichtet Knapp. Elf Jahre lang begleitete sie Patienten: Sie half bei der Aufnahme, brachte ihnen Bücher oder andere Dinge, die sie benötigten, und führte Gespräche. „Viele schilderten uns auch ihre Ängste und Nöte“, sagt sie. Seit ihrer Anfangszeit als „grüne Dame“ habe sich viel verändert: Die Liegezeiten seien verkürzt worden, die Patienten werden früher entlassen. „Das hat natürlich auch unsere Arbeit verändert“, sagt Knapp.

Ihr alter und neuer Ehrenamtsjob hätten gemeinsam, dass Empathie und der Spaß im Umgang mit Menschen Voraussetzung ist. Sie erlebe bei ihrer Arbeit bei der AWO viele schöne Momente. Kürzlich habe sie eine junge Frau aufgesucht, die ihr Formular auf Einbürgerung bereits akribisch ausgefüllt hatte und sich bei ihr nochmal vergewissern wollte, dass sie keine Fehler gemacht hat. „Sie wünschte sich so sehr, deutsche Staatsbürgerin zu werden und war so dankbar, dass wir ihr helfen - das hat mein Herz erwärmt“, erinnert sich Knapp. Momente wie diese seien die „Belohnung“ für ihre Arbeit. Für Knapp steht fest: Ohne ehrenamtliche Arbeit würde die Gesellschaft nicht funktionieren. Ehrenamtliche Arbeit bedeute für sie persönlich: „Ein Stück von sich für andere abgeben“.