„Kostenfreie Bildung ist für uns ein großes Thema“

vom 04.08.2017

Niedersachsens Finanzminister Peter-Jürgen Schneider besuchte AWO Familienzentrum in Misburg

Besuch-Kita-Ibykusweg-03-08.jpg Das Meer ist das übergeordnete Thema auf dem Außengelände der Kita. Ingrid Kröger, AWO Fachbereichsleiterin Kindertagesstätten, Peter-Jürgen Schneider, niedersächsischer Finanzminister, Kerstin Tack, örtliche SPD-Bundestagsabgeordnete, und Eva Lüttge, Leiterin des AWO Familienzentrums, und Daniela Stadale von der AWO Krippe stehen vor dem Leuchtturm.
Ein Piratenschiff, ein Leuchtturm und ein Hauptgebäude, das wie ein großes Schiff aussieht - „eine sehr schöne Einrichtung mit einem tollen Außengelände“, sagte Peter-Jürgen Schneider, niedersächsischer Finanzminister (SPD), am 3. August bei seinem  Besuch des Familienzentrums Ibykusweg in Misburg. Schneider kam in Begleitung der örtlichen SPD-Bundestagsabgeordneten Kerstin Tack, um sich über das Thema Kinderbetreuung aus erster Hand zu informieren. Die SPD-geführte Landesregierung hatte angekündigt, die Beiträge für das erste und zweite Kitajahr ab 2018 abschaffen zu wollen.
 
„Die AWO hat hier als Trägerin das erste Familienzentrum in Hannover gegründet“, erklärte Ingrid Kröger den Besuchern bei einem Rundgang durch die Einrichtung. Mittlerweile betreibe die AWO acht solcher Zentren in Hannover, insgesamt gebe es über 30. „Die Stadt Hannover ist in diesem Bereich sehr gut aufgestellt“, lobte Kröger. Das AWO Konzept Familienzentrum sei von Anfang an gut angenommen worden, man sei hervorragend in dem Stadtteil integriert. Mit niedrigschwelligen Angeboten wie Koch- und Tanzkursen oder dem Elterncafé erreiche das Zentrum viele Eltern in Misburg. „Es gibt einen großen Beratungsbedarf unter dem Vätern und Müttern“, berichtete Kröger. „Man könnte meinen, dass das Internet heutzutage Abhilfe schafft, aber es verunsichert viele noch mehr.“

Die Fachbereichsleiterin sprach sich beim anschließenden Gespräch mit den Politikern für eine gebührenfreie Bildung von der Krippe bis zum Studium aus. Mit den Kitagebühren seien viele Eltern unzufrieden, die derzeitige Einkommensgrenze sei zudem viel zu niedrig angesetzt. So müsse beispielsweise eine dreiköpfige Familie mit einem Gesamteinkommen von 2750 Euro bereits den Höchstbetrag von rund 300 Euro im Monat zahlen. „Das ist sehr viel Geld für sie, dabei bräuchten auch Familien mit einem solchen Einkommen Entlastung“, betonte Kröger.

Welche Meinung die AWO Region zu Hannover e.V. zur dualen Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern habe, wollte Tack von Kröger wissen. Kröger kritisierte, dass die Auszubildenden nicht nur kein Geld während ihrer vierjährigen Ausbildung bekommen, sondern auch noch zusätzlich Schulgeld bezahlen müssten. „Wir haben mittlerweile einen Erziehermangel - ein Grund ist sicherlich die finanzielle Hürde der Ausbildung“, sagte Kröger. So sei auch nicht zu verstehen, warum Auszubildende in den ersten zwei Jahren Ausbildung zur pädagogischen Sozialassistenz Bafög erhalten können, aber nicht mehr in den beiden folgenden Ausbildungsjahren zum Erzieher. „Das ist nicht nachzuvollziehen“, sagte Kröger.

Hinzu komme, dass die Einrichtungen bei der praktischen Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher kein Geld für die Anleitung zur Verfügung gestellt bekommen. „Das geht alles von der Zeit ab, die für die Kinderbetreuung gedacht ist“, so Kröger. „Die Einrichtungen müssten Extra-Stunden für die Betreuung der Azubis zur Verfügung gestellt bekommen.“

„Für uns ist die kostenfreie Bildung ein großes politisches Thema“, versicherte der Finanzminister.  Deshalb wolle die Landesregierung die Kitagebühren abschaffen. Dies sei aber eine große finanzielle Anstrengung für das Land. Schneider rechnet mit Kosten in Höhe von 250 Millionen Euro pro Jahr. Als Bundestagsabgeordnete setze sie sich auf Bundesebene einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ein, erklärte Tack. Höchste Priorität habe dabei die Qualität der Betreuung. „Jedem ist heutzutage klar, dass Arbeit in den Krippen und Kitas mehr als nur Aufpassen ist“, betonte die SPD-Bundestagsabgeordnete.