„Ich bin eine Brücke zwischen den Kulturen“

Saad Hamid Alkheder ist einer von zwei Stadtteilvätern in Hannover

1Stadtteilvater Saad Portrait Homepage 13 07 2017 (2).jpg Saad Hamid Alkheder arbeitet als Stadtteilvater im AWO Familienzentrum in Badenstedt

„Ich bin die Brücke zwischen den Eltern und dem Familienzentrum“, sagt Saad Hamid Alkheder. Der gebürtige Syrer ist seit eineinhalb Jahren ein sogenannter Stadtteilvater und arbeitet neun Stunden pro Woche im AWO Familienzentrum Petermannstraße in Badenstedt. Alkheder ist Ansprechpartner für alle Väter im Stadtbezirk 11: Badenstedt, Davenstedt und Ahlem. Ziel des von der Stadt Hannover ins Leben gerufenen Programms ist es, Väter stärker in den Bildungsprozess ihrer Kinder einzubeziehen. „Ich bin aber auch eine Brücke zwischen den Kulturen, erklärt Alkheder, der insbesondere Kontaktperson und Ansprechpartner für Zugewanderte ist. Als Mittler zwischen Migrantenfamilien und dem Familienzentrum bietet er allen Familien und ihren Kindern Angebote zum Mitmachen an – und ist inzwischen Ansprechpartner für viele Lebenslagen. Bei den Zugewanderten im Stadtteil hat sich Alkheders Arbeit bereits herumgesprochen - er wird gezielt von Familien aus dem arabisch sprechenden Raum angefragt. „Die Community kennt ihn“ - und sie vertrauen ihm, sagt Peter Meisel, Leiter des AWO Familienzentrums.

Auf seine Arbeit als Stadtteilvater wurde Alkheder rund einen Monat lang an der Volkshochschule Hannover vorbereitet. Bei der Qualifizierung lernte er unter anderen Beratungsstellen und Netzwerke kennen und wurde zu Themen der Gleichbehandung und Antidiskriminierung, in der Kommunikation mit und bei Behörden sowie im Umgang mit Konflikten geschult. Derzeit gibt es lediglich zwei Stadtteilväter in Hannover, beide arbeiten bei der AWO. „Die Stellen sind auf neun Stunden pro Woche begrenzt, weshalb es für viele Männer nicht in Frage kommt“, sagt Gabriele Noack, stellvertretende Einrichtungsleitung und Koordinatorin im Familienzentrum. Die Nachfrage sei dagegen sehr groß. „Wir bekommen sehr viele Anfragen aus dem gesamten Stadtgebiet“, berichtet Meisel.

Alkheder hatte sich initiativ auf die Stelle beworben. „Ich wollte etwas tun, nachdem ich nach Deutschland geflüchtet war. Ich will der Gesellschaft etwas zurückgeben“, sagt der Vater einer Tochter. „Er ist einfach zu uns gekommen und hat sich vorgestellt, obwohl seine Deutschkenntnisse noch nicht so gut waren - das war mutig und hat uns beeindruckt“, sagt Peter Meisel. Dreh - und Angelpunkt des Zentrums ist das Elterncafé ist. Hier können sich Eltern täglich zwischen 8 und 16 Uhr treffen und austauschen, immer dienstags von 9 bis 14 Uhr ist auch Alkheder dabei. Auch für das pädagogische Personal des Familienzentrums ist Alkeder Ansprechpartner. Gerade bei kulturellen Fragen gibt es immer wieder Gesprächsbedarf. „Jedes Land hat seine Eigenarten - da braucht es manches Mal einen Übersetzer“, so Meisel. Alkheder arbeitet mit den Mitarbeitern der Einrichtung auch daran, neue Angebote zu schaffen. So kommen seit kurzem regelmäßig Senioren in die Kita und spielen mit den Kindern. Besonders beliebt bei den Vätern ist das Vater-Kind-Grillen. „Essen verbindet die Kulturen“, sagt Hamid.

Nach Deutschland kam Alkheder vor dreieinhalb Jahren aus Syrien. Er floh mit seiner Familie vor dem Krieg, sein Weg führte ihn über die Türkei direkt nach Hannover. In Zukunft möchte er noch einmal studieren, am Liebsten Sozialpädagogik. In Syrien hatte er ein Soziologie-Studium abgeschlossen und an einer Schule gearbeitet. Hier kann er mit einem Masterstudiengang beginnen, der Bachelor soll ihm anerkannt werden. Sein Lebens- und Arbeitsmotto leitet Alkheder von einem arabischen Sprichwort ab: Geduld und Humor sind zwei Kamele - mit ihnen kann man jede Wüste durchqueren. Geduld und Humor sind seine persönlichen Brücken.