„Ich möchte gern mit Kindern arbeiten“ – Zugewanderte besichtigten AWO-Kita

Kita Mühenkamp 2 20 07 2017.jpg Puzzeln mit Kindern der Kita Mühenkamp: Perwin Dawoud (von links), Anja Kopp vom Projekt „KomPASS“, Erzieherin Elke Brakebusch, Heike Rahlves, stellvertretende AWO Fachbereichsleiterin und Susanne Tintemann, Leiterin der AWO-Kita.

Zugewanderten den (Quer-)Einstieg in das Berufsleben zu ermöglichen – dafür engagiert sich die AWO Region Hannover seit vielen Jahren. Gestern besuchten zwei zugewanderte junge Frauen, die aus Syrien und dem Irak geflohen sind, das AWO-Familienzentrum Mühenkamp, um sich die Kindertagesstätte anzusehen und einen ersten Einblick in den Beruf des Erziehers bekommen. „Ich mag Kinder, ich möchte sehr gern mit ihnen arbeiten“, sagte Perwin Dawoud. Die 35-Jährige ist aus Syrien geflohen und vor rund eineinhalb Jahren über die Türkei und Griechenland nach Deutschland gekommen. Als staatenlose Kurdin wurde Dawoud in Syrien nur geduldet; die Schule konnte sie nur sechs Jahre besuchen und keine Berufsausbildung machen; als Geduldete hatte sie keinerlei Rechte – zuletzt arbeitete sie dort als Friseurin. „In Syrien gibt es nur wenige Kitas, die alle privat sind“, sagte Dawoud.

 

Derzeit lernt sie Deutsch, ab August wird sie einen B1-Kurs besuchen. „Ich möchte gern einfach schnell wieder anfangen zu arbeiten“, sagte Dawoud. „Wer eine Ausbildung als Erzieherin machen möchte, braucht in Deutschland mindestens einen Realschulabschluss und startet dann mit der Ausbildung zur pädagogischen Assistenz und kann anschließend mit guten Noten in die weiterführende Erzieherausbildung gehen “, erklärte Heike Rahlves, stellvertretende Fachbereichsleiterin Tageseinrichtungen für Kinder bei der AWO den Besucherinnen. „Wir haben einen Bildungsauftrag in den Kitas, wir möchten eine hohe Bildung vermitteln und der Beruf ist sehr anspruchsvoll.“ Rahlves begrüßt die Möglichkeit des Quereinstiegs, wichtig sei allerdings eine umfassende Nachqualifizierung. „Unser Anspruch ist es, langfristig nur Erzieherinnen und Erzieher einzustellen“, betonte Rahlves. Sie schlug Dawoud ein dreimonatiges Praktikum vor. „Das ist eine gute Zeit, um zu sehen, ob einem der Job liegt.“ Begleitet wurden die beiden Interessierten von Anja Kopp. Sie betreut Zugewanderte im Rahmen des vom Jobcenter geförderten Projekts „KomPASS – Kompetenzcheck und Ausbildungsperspektiven für jugendliche Sprachanfänger“.

Auch die aus dem Irak geflohene Antonia (Name geändert) schaute sich die Einrichtung interessiert an. Antonia möchte ihren Namen nicht im Internet lesen, sie gehört der Religionsgemeinschaft der Jesiden an, die im Irak durch die Terrorgruppe IS verfolgt wird. Antonia hat in ihrem Heimatland Abitur gemacht, bevor sie mit ihren Eltern und Geschwistern über die Türkei nach Deutschland floh. Da ihr das Abitur in Deutschland anerkannt wird, hätte sie die Voraussetzung, sofort mit einer Ausbildung zu beginnen. Wie lang die Ausbildung dauert, wollte Antonia wissen. Die rein schulische Ausbildung dauere ein Jahr, die Kombination aus schulischer und betrieblicher Ausbildung zwei Jahre länger, erklärte Rahlves. Susanne Tintemann, Leiterin der AWO-Kita, freute sich über das Interesse der Zugewanderten. „Wir haben hier Kinder aus 28 Nationen, wir können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Migrationshintergrund gut gebrauchen“, sagte Tintemann