AWO unterstützt Kampagne der Betreuungsvereine in Niedersachen für mehr Geld

vom 10.12.2015

An der Schwelle ihrer Existenz

PRESSEMITTEILUNG vom 10. Dezember 2015

Hannover/Region. Seit 2005 ist das Vergütungssystem für rechtliche Betreuungen nicht mehr angepasst worden. Ein erheblicher Anteil der 58 anerkannten Betreuungsvereine in Niedersachsen – mit 360 hauptamtlichen Mitarbeitenden und 10.000 Betreuungen pro Jahr – stehen an der Schwelle ihrer Existenz. In einer auch von der AWO Region Hannover e.V. unterstützten Kampagne mit der Überschrift „Betreuungsvereine verdienen mehr“ machen die Betreuungsvereine in Niedersachsen seit November auf ihre Lage aufmerksam.

Eröffnet wurde die Kampagne mit einem Informations-Flashmob, bei dem Postkarten und Flyer an die Politik und die breite Öffentlichkeit verteilt wurden. „Seitdem gehen wir gezielt in die Öffentlichkeit und informieren über die Situation der Betreuungsvereine“, berichtet AWO Fachbereichsleiterin Antje Hennecke, die für die beiden AWO Betreuungsvereine zuständig ist. „Im nächsten Jahr ist eine große öffentlichkeitswirksame Veranstaltung geplant, die die Brisanz des Themas noch einmal deutlich macht“, betont Hennecke.

In den anerkannten Betreuungsvereinen in Niedersachsen übernehmen fachlich qualifizierte Mitarbeiter/innen rechtliche Betreuungen für Menschen, die aufgrund ihrer Lebenssituation und komplexen Problemlagen eine rechtliche Vertretung benötigen. Zudem unterstützen sie mehrere Tausend ehrenamtliche Betreuer/innen in ihrer Arbeit. Darüber hinaus beraten sie tausende Menschen zu Vorsorgevollmachten.

Betreuungsvereine befinden sich in einem Dilemma: Der zeitliche Betreuungsbedarf im Einzelfall wird in der Vergütungsstruktur nicht ausreichend bedacht. Weder Tariferhöhungen noch steigende Sachkosten werden bei der Vergütung berücksichtigt. Hierfür ist eine Änderung des Betreuungsgesetzes notwendig. Das Ergebnis einer vom Bundesjustizministerium beschlossenen rechtstatsächlichen Erhebung zur „Qualität in der rechtlichen Betreuung“ kommt in 2018 für die Betreuungsvereine zu spät.

Die Betreuungsvereine brauchen eine sofortige Erhöhung der Stundensätze für beruflich geführte rechtliche Betreuungen. Durchschnittlich stehen für die Arbeit pro Betreuungsfall drei Stunden im Monat zur Verfügung, die nach dem VBVG (Betreuer- und Vormündervergütungsgesetz) mit 44 Euro pro Stunde vergütet werden. Diese Vergütung seit dem 1. Juli 2005 gleichbleibend und seit Jahren nicht mehr kostendeckend. Die Folge ist, dass Vereinsbetreuer/innen immer mehr rechtliche Betreuungen führen müssen. Mittlerweile führen Vereinsbetreuer/innen häufig weit über 50 Betreuungen. Die immer höher werdenden Fallzahlen beeinträchtigen die Qualität der Arbeit.

Wenn die Betreuungsvereine als kompetente Ansprechpartner/innen für ratsuchende Bürger/innen weg-fallen und auch ehrenamtliche Betreuer nicht mehr in ihrer Arbeit unterstützen können, kippt das soziale System! und das Ehrenamt wird geschwächt! Das Vormünder- und Betreuungsvergütungsgesetz (VBVG) muss umgehend geändert werden, so die Forderung der Betreuungsvereine. Für diese Gesetzesänderung bitten die Betreuungsvereine um Unterstützung. Eine Bundesratsinitiative aus Niedersachsen ist notwendig. Sie können nicht bis 2018 warten!

Weitere Informationen: Fachbereich Psychosoziale Dienste, Antje Hennecke, Tel.: 0511 21978-108, antje.hennecke@awo-hannover.de

Die Arbeiterwohlfahrt in der Region Hannover…
ist ein unabhängiger und gemeinnütziger Wohlfahrtsverband mit 43 Ortsvereinen und Stützpunkten sowie über 5.500 Mitgliedern in der Region Hannover. Über 1.400 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten in mehr als 100 Einrichtungen und Dienste vielfältige soziale Arbeit in den Städten und Gemeinden. Der Verband bietet Dienstleistungen in den Bereichen Erziehung, Bildung, Gesundheit, Beratung, Pflege und psychosoziale Hilfen an. Die Angebote sind für alle Menschen offen.