Gleichbehandlung als Voraussetzung für berufliche Integration

vom 29.09.2011

AWO veranstaltet Fachgespräch

PRESSEMITTEILUNG vom 29. September 2011

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) ist seit fünf Jahren in Kraft. „Die Erfahrungen in der Praxis zeigen, dass die Umsetzung des AGG immer noch schwierig ist“, betonte Burkhard Teuber, Geschäftsführer der AWO Region Hannover e.V., auf dem Fachgespräch „Gleichbehandlung als Voraussetzung für berufliche Integration – 5 Jahre AGG“ am 27. September 2011. Die Wahrscheinlichkeit für Jugendliche mit Migrationshintergrund einen Ausbildungsplatz zu erhalten, liegt mehr als 20 Prozent unter der vergleichbaren Referenzgruppe ohne Migrationshintergrund. Die Arbeitslosenquote von Menschen mit Migrationshintergrund ist doppelt so hoch, auch in Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung sind sie wesentlich niedriger vertreten.

Auf dem vom AWO Beratungszentrum für Integrations- und Migrationsfragen (BIM) organisierten Fachgespräch haben Fachleute aus Deutschland und der Region Hannover ihre Erfahrungen und Handlungsansätze mit dem AGG vor rund 60 Gästen aus Politik, Verbänden, Jobcenter und anderen Organisationen vorgestellt und Handlungsansätze diskutiert.

„Das AGG ist kein Allheilmittel“, sagte Rechtsanwalt Dr. Rainer Nickel von der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Armut könne dadurch nicht beseitigt werden und strukturelle Probleme erst recht nicht. Das AGG habe starke Widerstände hervorgerufen, zum Beispiel bei den Arbeitgebern oder in der Wohnungswirtschaft. „Diskriminierungserfahrungen in der Arbeitswelt stehen bei den Betroffenen an erster Stelle“, bestätigte Birte Weiß, Pädagogin und Beraterin bei basis & woge aus Hamburg, in ihrem Impulsreferat. Durchsetzungsprobleme bestünden zum Beispiel durch die Frage der Beweislast und der Kausalität. Als Ursachen für die überdurchschnittliche Arbeitslosigkeit von Migrantinnen und Migranten werden mangelnde Sprachkenntnisse und mangelnde Qualifikation von Seiten der Arbeitgeber gesehen. Betroffene berichteten anders, zum Beispiel über sehr viele Hürden im Alltag.

Das AGG habe den Stellenwert von Gleichbehandlung sehr stark in der Stadtverwaltung gehoben, berichtete Carsten Sievers, Leiter der Agentur für Arbeit, Laatzen. Es bereite aber auch zum Teil Probleme. „Früher konnte man bei Absagen sehen, wo die Schwächen lagen.“ Heute hielten sich die Firmen zurück und reagierten mit Standardschreiben, aus denen nur wenige Schlüsse zu ziehen seien. Dr. Klaudia Tietze, Geschäftsführerin des Vereins „Mach meinen Kumpel nicht an“, Düsseldorf, kritisierte: „Das AGG ist unterstützend und fördern reicht aber nicht aus für einen richtigen Umgang mit Diskriminierung.

Die Teilnehmenden der Podiumsrunde waren sich einig, dass es einen riesigen Aufklärungsbedarf über das AGG gibt und forderten dazu auf, offensiv gegen Diskriminierung vorzugehen. Die Wirksamkeit hänge vor allem von dem Wissen über das Gesetz und die Aufklärung ab. „Das AGG ist ein wichtiger Rückhalt bei dem Umbau zu einer vielfältigen Gesellschaf“, betonte Rainer Nickel. Es sei aber verbesserungsbedürftig, um es effektiver zu machen.

Weitere Informationen: AWO Region Hannover e.V., Fachbereich Migration, Slobodanka Sljoka,Tel.: 0511 21978-142