Fachgespräch: Verfahren und Instrumente zur Kompetenzfeststellung für (Neu-)Zugewanderte

vom 29.09.2010

AWO holt Akteure an einen Tisch

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Über 80 Vertreter aus Politik, Bildungsträgern, Verbänden, Handwerkskammer, Jobcenter und anderen Organisationen waren am 28. September 2010 beim Fachgespräch „Verfahren und Instrumente zur Kompetenzfeststellung für (Neu-)Zugewanderte dabei. Der Veranstalter, das Beratungszentrum für Integrations- und Migrationsfragen (BIM) der AWO Region Hannover e.V., hatte dazu in das Tagungszentrum im Ahrbergviertel in Hannover-Linden geladen.

Der Bedarf der Unternehmen und Betriebe an gut qualifizierten Fach- und Arbeitskräften steigt. In den Bereichen Pflege und Erziehung gibt es einen akuten Fachkräftemangel. „In diesem Zusammenhang gewinnen berufliche Kompetenzen und Fähigkeiten von Zugewanderten zunehmend an Bedeutung“, erklärte AWO Geschäftsführer Burkhard Teuber in seinem Grußwort.

Dr. Hans-Joachim Heuer vom niedersächsischen Ministerium für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration beschreibt als eine Kernaufgabe der Integrationspolitik, die Kompetenzen von Zugewanderten zu erkennen und anzuerkennen. In seinem Impulsreferat betonte er die Notwendigkeit, den Fokus dabei nicht auf die Schwächen zu legen, sondern genau zu schauen und zu fragen, was jeder einzelne mitbringt und kann. „Wir wollen einen Paradigmenwechsel herbeiführen.“

Kompetenzen, Fähigkeiten und Potentiale müssen unter Berücksichtigung der individuellen Biografien und kulturellen Aspekten erfasst werden, ergänzte Referentin Tina Lachmayr, Integrationsprojekte gGmbH Augsburg, in ihrem Vortrag. Häufig würden Kompetenzen nicht erkannt, anerkannt oder nachgewiesen.

In der anschließenden Diskussionsrunde diskutierten Fachleute unter der Moderation von Melanie Walter (Sachgebiet Integration, Politik und Verbände der Landeshauptstadt Hannover) aktuelle Ansätze, informierten über Erfahrungen und Ergebnisse und gaben Handlungsempfehlungen für die Praxis.

Dr. Carl-Michael Vogt von der Handwerkskammer Hannover sieht in einer individuellen und zielgerichteten Nachqualifizierung gute Chancen für eine erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt. Wichtig sei es, über den Austausch aller Beteiligten untereinander hinaus, ein gemeinsames Konzept zu entwickeln. „Wir müssen Schulen, Wirtschaft, Verbände und die Migranten zusammenholen“, fordert Markus Stünkel vom Weiterbildungszentrum der AWO. „Die Methoden müssen den Bedarfen angepasst werden.“

Die Ergebnisse des Fachgesprächs fasste Melanie Walter abschießend zusammen. Wichtig sei ein Austausch in beide Richtungen mit Migranten, Migrantenorganisationen und der Wirtschaft. Es müsse Motivationsarbeit in beide Richtungen geleistet werden. Darüber hinaus bedürfe es einer Anerkennung der kulturellen Vielfalt – eine so genannte „Charta der Vielfalt“.

Dass Kompetenzfeststellung ein wichtiger Bestandteil sei, alleine jedoch nicht ausreiche, darüber waren sich die Fachleute einig. „Notwendig ist eine bessere Abstimmung und Verzahnung der einzelnen Bausteine in der Prozesskette Beratung, Anerkennungsverfahren, Anpassungsqualifizierung und Arbeitgeber.“

Weitere Informationen: Fachbereich Migration, Slobodanka Sljoka,Tel.: 0511 21978-142