BISS-Verbund feiert zehnjähriges Bestehen

vom 19.02.2016

Anlaufstelle für Frauen bei häuslicher Gewalt

PRESSEMITTEILUNG vom 19. Februar 2016

Stadt und Region Hannover. Am 18. Februar 2016 feierten der BISS Verbund Region Hannover und BISS-HAIP-Hannover gemeinsam ihr zehnjähriges Jubiläum im AWO Tagungszentrum in Hannover-Linden. Mehr als 100 Gäste von Kooperationspartnern wie Polizei, Gleichstellungsbeauftragten, interdisziplinäre Fachdienste (zum Beispiel Frauenberatungsstellen, Jugendämter, Rechtsanwälte) und der Politik waren zur Jubiläumsfeier gekommen.

Seit 2006 bildet die Koordinierungs- und Beratungsstelle gegen häusliche Gewalt der AWO Region Hannover e.V. zusammen mit der Donna Clara Beratungsstelle im Frauenzentrum Laatzen und Ophelia Beratungszentrum für Frauen und Mädchen mit Gewalterfahrung Langenhagen e.V. den BISS-Verbund Region Hannover. Diese vom Land Niedersachsen und der Region Hannover finanziell geförderten Beratungs- und Interventionsstellen (BISS) gegen häusliche Gewalt sind Anlaufstellen für betroffene Frauen und bieten ihnen eine Erstberatung an. Sie finden hier die so wichtige kurzfristige Hilfe zur Umsetzung der Rechte aus dem Gewaltschutzgesetz, zum Beispiel den Täter aus der Wohnung verweisen zu lassen.

Herausragendes Kennzeichen der Arbeit ist die pro-aktive Kontaktaufnahme zu betroffenen Frauen. Die enge Vernetzung von Polizei, Justiz und Beratung sorgt für eine angemessene Versorgung der Betroffenen. Dieser Beratungsansatz der BISS-Beratungsstellen ist eine wichtige Ergänzung des bestehenden Netzes von Frauenhäusern und Beratungsstellen in der Region Hannover.

Insgesamt wurden im Jahr 2015 vom BISS Verbund der Region Hannover 1.368 von häuslicher Gewalt betroffene Frauen erreicht und beraten, in der Landeshauptstadt Hannover waren es 2.719 Frauen.

„Die Gewalt gegen Frauen muss beendet werden“, forderte die stellvertretende AWO Vorsitzende Birgit Merkel in ihren Grußworten. „Wir alle müssen dafür Sorge tragen, dass die Gewalt in der Familie aufhört.“ Dass für manche Frauen ihr Zuhause der gefährlichste Ort der Welt sei, darauf verwies die Gleichstellungsbeauftragte der Region Hannover Petra Mundt: „Heute ist Gewalt sichtbarer geworden, vor 40 Jahren war das Thema noch Privatsache.“ Der pro-aktive Ansatz öffne häufig eine Tür für die betroffenen Frauen und gebe ihnen die Möglichkeit, einfach einmal darüber zu sprechen“, sagte Friederike Kämpfe, Gleichstellungsbeauftragte der Landeshauptstadt Hannover. Die Arbeit der BISS-Stellen helfe Frauen dabei aus der Gewaltspirale herauszukommen. In der Öffentlichkeit werde Häusliche Gewalt immer noch unterschätzt, so Andrea Buskotte (ehemalige Koordinatorin der Stelle „Häusliche Gewalt“ im Landespräventionsrat Niedersachsen) im Interview mit der Bloggerin Ninia LaGrande, die die Veranstaltung moderiert hat.

Den Abschluss der Jubiläumsfeier bildete die Lesung „Wissen Sie, warum lila?“ mit Dr. Mihaela Iclodean (Sozialpsychologin und Theaterpädagogin) über Aussagen betroffener Frauen, die von dem Musiker Sebastian Wendt auf der Klarinette begleitet wurde: „Die Farbe Lila ist die Farbe des Kampfes für die Rechte von Frauen.“

Zitat aus der Einleitung des „Aktionsplan II des Landes Niedersachsen zur Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen im häuslichen Bereich“:

„Gewalt in unserer Gesellschaft ist ein schwerwiegendes Problem, das Handeln erfordert. Dabei sind vor allem die Gewalttaten, die in engen persönlichen Lebensbeziehungen begangen werden, besonders verwerflich. Sie beinhalten einen Vertrauensbruch – denn der häusliche Bereich sollte Schutz, Sicherheit und Vertrauen bedeuten und nicht der Tatort von Gewalt sein. Diese Gewalt prägt die Lebensumstände der von Gewalt betroffenen Frauen und immer auch der Kinder nachhaltig – auch deshalb ist Handeln geboten.“