Bezahlbarer Wohnraum für ältere Menschen wird knapp

vom 12.06.2013

AWO sieht dringenden Handlungsbedarf

PRESSEMITTEILUNG

Hannover. Armut im Alter ist in vielen Einrichtungen der AWO Region Hannover e.V. gegenwärtig. Die AWO Seniorenarbeit beobachtet zum Beispiel den gestiegenen Beratungsbedarf älterer Migrantinnen und Migranten, die trotz langer Erwerbsarbeit mit dem Renteneintritt auf Grundsicherung angewiesen sind. „In unsere Beratungsstelle kommen zunehmend Seniorinnen und Senioren, die Probleme haben, ihre Kosten für die Wohnung mit der Grundsicherung zu finanzieren“, sagt Fatma Taspunar, Sozialarbeiterin in der Interkulturellen Begegnungsstätte der AWO in der Nordstadt.

Für ältere Menschen wird es immer schwerer, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Hier stehen sie in großer Konkurrenz zu anderen Bevölkerungsgruppen, weil das Wohnungsangebot nicht den Bedarf deckt. Auf diese Problematik weist auch die Landeshauptstadt Hannover im „Wohnkonzept 2025“ (2013) hin.

„Über die Seniorinnen und Senioren, die unsere Angebote nutzen, erfahren wir von ihren vielfältigen Problemen“, betont die stellvertretende AWO Geschäftsführerin Michaela Bräuer-Pape. Empfänger von Grundsicherung im Alter müssten umziehen, weil die Miete nicht innerhalb der Mietobergrenzen liegt. Besonders in Folge von energetischen Sanierungen komme es zu Mieterhöhungen, die nicht durch die Einsparung von Energiekosten ausgeglichen werden könnten. Betroffene berichteten beispielsweise, dass sie in Decken und mit Wärmflasche dasitzen, um Heizkosten zu sparen.

Auch die aktuellen Zahlen aus dem Sozialbericht der Stadt Hannover zeigen einen dringenden Handlungsbedarf auf. Den insgesamt sinkenden Zahlen von Menschen, die Transferleistung beziehen, steht eine stark wachsende Anzahl von älteren Menschen gegenüber, deren Renten nicht zum Leben ausreichen. In Bezug auf die Wohnsituation hat Altersarmut für die Betroffenen vielfältige Auswirkungen. „Das sind nicht nur die Wolldecken im Wohnzimmer um Heizkosten zu sparen. Das sind auch Gesundheitsrisiken durch Mängel in den Wohnungen wie Kälte oder Schimmelbildung“, sagt Michaela Bräuer-Pape.

Günstiger Wohnraum ist zum Teil nur noch in benachteiligten Wohngegenden zu finden. Aber gerade im Alter steigen die Anforderungen an die Wohnqualität, um mögliche Einschränkungen, beispielsweise in der Mobilität, ausgleichen zu können. Um lange in der eigenen Wohnung wohnen zu bleiben, sollte die Wohnung möglichst barrierefrei und das Umfeld mit einer guten Infrastruktur ausgestattet sein. Neben dem steigenden Kostendruck durch die gestiegenen Energiepreise schränken die genannten Aspekte die mögliche Teilhabe der Seniorinnen und Senioren an der Gesellschaft erheblich ein. Eine zunehmende Isolation von älteren Menschen ist die Folge.

Kostenlose Angebote für ältere Menschen wie die AWO andere Verbände und die Stadt Hannover sie anbieten, tragen zur gesellschaftlichen Teilhabe bei. „Da aber das Problem der Altersarmut sich in Zukunft verstärken wird, braucht es ein breites Maßnahmenpaket“, fordert Michaela Bräuer-Pape. Neben der Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum mit guter Infrastruktur und einer auskömmlichen Grundsicherung, wird es auch darum gehen, die betroffenen Menschen überhaupt zu erreichen. Soziale Isolation und Scham tragen zu einer hohen Dunkelziffer bei.

Die Arbeiterwohlfahrt in der Region Hannover…
ist ein unabhängiger und gemeinnütziger Wohlfahrtsverband mit 48 Ortsvereinen und 6.550 Mitgliedern in der Region Hannover. Über 1.200 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten in mehr als 100 Einrichtungen und Dienste vielfältige soziale Arbeit in den Städten und Gemeinden. Der Verband bietet Dienstleistungen in den Bereichen Erziehung, Bildung, Gesundheit, Beratung, Pflege und psychosoziale Hilfen an. Die Angebote sind für alle Menschen offen.

Arbeitsgruppe Armut:
Seit 2001 hat die AWO Region Hannover e.V. eine Arbeitsgruppe, die sich fachbereichsübergreifend mit dem Thema Armut befasst und regelmäßig Aktionen daraus entwickelt. „Wir machen Kinder stark! - Resilienzförderung in AWO-Kindertageseinrichtungen“ war das letzte große Projekt, das in der Arbeitsgruppe erarbeitet wurde. Seit 2012 liegt der Schwerpunkt auf dem Thema „Armut im Alter“. Derzeit wird ein Projekt entwickelt, das sich mit dem Zusammenhang von Armut und mangelnder Teilhabe am gesellschaftlichen Leben beschäftigt. Ziel ist es, gemeinsam mögliche Handlungsstrategien zu entwickeln, die es ermöglichen, konkrete Hilfen anzubieten.